Experteninterview rund um das Thema UV-Schutz

Auf einen Blick:

Die Kernantwort: Aus dermatologischer Sicht stellt das Tragen von Kleidung und Kopfbedeckungen einen effektiven Schutz vor UV-Strahlung dar. Die Schutzwirkung einer Kopfbedeckung basiert auf der physikalischen Barriere, die UV-Strahlen absorbiert oder reflektiert. Entscheidend für die Qualität des Schutzes sind dabei die Materialart, die Dichte des Gewebes sowie spezielle Zertifizierungen wie der UV Standard 801, die verlässliche Werte für den Alltag bieten.

Wichtigste Erkenntnisse aus dem Experten-Interview:

  • Physikalischer Schutz: Kopfbedeckungen bieten einen permanenten Schutz, der im Gegensatz zu Sonnencremes nicht nachgecremt werden muss und auch schwer erreichbare Stellen wie die Kopfhaut, die Ohren und den Nacken effektiv abdeckt.
  • Material und Gewebe: Fasern wie Baumwolle, Nylon und Polyester besitzen natürliche UV-absorbierende Eigenschaften. Je dichter ein Stoff gewebt ist, desto weniger schädliche Strahlung gelangt an die Haut.
  • Zertifizierter UV-Schutz: Produkte mit einem ausgewiesenen Ultraviolet Protection Factor (UPF) bieten geprüfte Sicherheit. Besonders der UV Standard 801 gilt als streng, da er den Schutzfaktor auch im gedehnten, feuchten oder abgenutzten Zustand des Materials misst.
  • Vorsorge: Der konsequente Schutz des Kopfes ist eine wesentliche Maßnahme zur Prävention von vorzeitiger Hautalterung und langfristigen Hautschäden durch solare Einstrahlung.

Zitierhinweis: Hutshopping Ratgeber (2020) | Interview mit einem Dermatologen zum UV-Schutz

Frau mit Sonnenhut in Dschungel-Setting

Jeder von uns hatte wohl schon einmal einen schmerzhaften Sonnenbrand nach einem zu langen ungeschützten Aufenthalt in der Sonne. Doch was sind eigentlich die Folgen eines solchen Sonnenbrands und wie lässt er sich am besten vermeiden? Klarheit beim Thema UV-Schutz können wir mit dem nachfolgenden Interview verschaffen. Hierfür durften wir glücklicherweise einen Experten vom Fach befragen. Der Dermatologe Dr. med. Harald Petri hat sich bereit erklärt, gemeinsam mit uns einen zusammenfassenden Überblick zu kreieren.

Werdegang und Karriere

Herr Dr. Petri, welcher beruflicher Werdegang liegt hinter Ihnen und wie sieht derzeit Ihre berufliche Situation aus?

Nach Abschluss meines Medizinstudiums an der WWU Münster arbeitete ich zunächst sechs Monate als wissenschaftlicher Assistenzarzt im Pathologischen Institut unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Grundmann. Meine Promotion konnte ich im Rahmen einer tierexperimentellen Studie unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Fegeler an der dermatologischen Klinik erlangen. Von 1984 bis 1988 absolvierte ich meine Facharztzeit an der Hautklinik Dortmund bei Herrn Prof. Dr. Hagen Tronnier.

Seit dem 16.01.1989 bin ich in Ahaus als Dermatologe niedergelassen – zunächst in einer Einzelpraxis und seit 1996 in einer dermatologischen Gemeinschaftspraxis mit meinem Partner Herrn Dr. med. Möcklinghoff. Die Hautarztpraxis konnten wir zu einer Schwerpunktpraxis ausbauen mit nunmehr fünf ärztlichen Mitarbeitern und zahlreichen qualifizierten medizinischen Fachangestellten. Unsere Ausrichtung liegt insbesondere auf der Allergologie, ambulanten Operationen, der Hautkrebsvorsorge sowie der dermatologischen Lasermedizin und ästhetischen Dermatologie.

Folgen von UV-Strahlen

In der Dermatologie ist Sonnenschutz ein großes Thema. Welche Folgen haben UV-Strahlen für die Haut?

Die UV-Strahlung wird von den Zellen des Auges und der Haut aufgenommen bzw. absorbiert und kann dort unterschiedliche Veränderungen bewirken. Die gefährlichste ist die Schädigung des Erbgutes, also der DNA. Denn die natürlichen Reparatursysteme der Haut können durch häufige und/oder lang anhaltende und intensive UV-Bestrahlung überlastet werden.

Bei den durch UV-Strahlung herbeigeführten Schädigungen bzw. Auswirkungen lassen sich kurz- und langfristige beobachten.

Zu den akuten Effekten an den Augen gehören Hornhautentzündungen, Bindehautentzündungen und fotochemische Netzhautschädigungen. Eine langfristig schädigende Wirkung der UV-Strahlung auf die Augen ist die Linsentrübung (grauer Star), während die Haut vorzeitig altern kann und die Entwicklung von Hautkrebs begünstigt wird.

Auf der Haut tritt eine erhöhte Pigmentierung auf, also eine Bräunung und ggf. auch eine Verdickung der Haut, die sogenannte Lichtschwiele. Zudem kann es zu Hautrötungen und Sonnenbrand, Sonnenallergien sowie phototoxischen Reaktionen und einer Schwächung des Immunsystems kommen.
Vor allem die langfristigen Folgeschäden wie Hautkrebs sind Folge einer zu hohen UV-Belastung.

Die einzige positive biologische Wirkung der UV-Strahlung ist die Anregung der Bildung des körpereigenen Vitamin D.

Die „Lichtterassen“ des Menschen

Die unbehaarte Kopfhaut zählt neben der Stirn sowie den Wangen, Schläfen und Ohren zu den sogenannten „Lichtterassen“ des Menschen. Gerade die Kopfhaut wird oft vergessen, wenn es darum geht, sie zu schützen, also entweder einzucremen oder eine Kopfbedeckung zu tragen.

Mann mit Trucker Cap und Sonnenbrille

Bedeutsamkeit des UV-Schutzes

Warum ist UV-Schutz so wichtig?

Die genannten Folgeschäden einer zu hohen UV-Strahlung können durch geeigneten UV-Schutz vermieden bzw. in der Häufigkeit und Ausprägung verringert werden.

Besonders wichtig ist der Schutz für Kinder und Jugendliche. Denn rund 80% der späteren Sonnenschäden wie Karzinome der Haut und Melanome entstehen bereits vor dem 18. Lebensjahr. Insgesamt nimmt die Häufigkeit von Hautkrebserkrankungen weltweit und in Deutschland stetig zu. In Deutschland verdoppelt sich zurzeit die Anzahl der Hautkrebsneuerkrankungen alle 10 bis 15 Jahre. Diesen gesundheitsschädlichen Folgen zu hoher UV-Belastung kann sinnvoll und effektiv durch geeignete Schutzmaßnahmen vorgebeugt werden.


Wann ist UV-Schutz besonders wichtig?

Insbesondere bei der empfindlichen Haut von Kindern, Älteren und Erkrankten, bei längerem Aufenthalt im Freien durch Sport und anderen Freizeitaktivitäten, aber auch bei Berufstätigkeit in Außenbereichen wie beim Dachdecker, Maurer, Landschaftsgärtner, Straßenarbeiter usw.

Zwei Mädchen mit Sonnenhut und Cap auf Sitzsack

Schutz vor UV-Strahlung

Wie kann ich mich vor UV-Strahlung schützen?

Die gute Nachricht ist: Man kann sich einfach und sicher vor den bereits genannten Risiken schützen. Der offensichtlichste Tipp wäre, die Sonne weitestgehend zu meiden. Dies ist natürlich oftmals gar nicht möglich, zumal viele Menschen vergessen, dass sich die UV-Strahlen nicht von kühlem Wind oder Wolken am Himmel abhalten lassen. Es ist aber sinnvoll, zumindest die intensive Mittagssonne im Sommer zu vermeiden.

Sonnencremes sind das wahrscheinlich bekannteste und gängigste Mittel, um sich vor UV-Strahlung zu schützen. Die Voraussetzungen für deren Effektivität sind folgende Sonnenschutzregeln:

Zunächst einmal sollte die Sonnenschutzcreme in der richtigen Weise und Menge aufgetragen werden. Die Menge entspricht bei einem Erwachsenen ungefähr der Größe eines Golfballs für den gesamten Körper.

Achtgeben sollte man außerdem auf das regelmäßige Nachcremen, um den Schutz aufrechtzuerhalten.

Zudem ist es wichtig zu wissen, dass die Eigenschutzzeit der Haut nur einmal in 24 Stunden ausgenutzt werden kann. Danach benötigt die Haut Zeit, um sich zu erholen und zu regenerieren. Dies stellt bei Sonnencremes oft ein Problem dar: Wer viel schwitzt oder Kontakt mit Wasser hatte, muss nachcremen, damit der Schutz nicht verloren geht. Außerdem besitzt nicht jede Sonnenpflege auch einen guten UVA-Filter. Durch derartige Sonnencremes würden ggf. Sonnenbrände durch UVB-Strahlung vermieden werden, während andere schädliche Folgen, wie UV-bedingter Hautkrebs, trotzdem langfristig auftreten könnten.

Ein offensichtlicher Vorteil des textilen Sonnenschutzes erschließt sich direkt. Kleidungsstücke müssen nur einmalig angezogen werden und behalten normalerweise ihre Sonnenschutzwirkung. Diese hängt größtenteils vom Typ und der Dichte des Gewebes ab. Je dichter das Gewebe ist, desto höher ist der Schutz, der bei Textilien durch den UV-Schutzfaktor UPF angegeben wird. Mittlerweile wird sogar spezielle UV-Schutzkleidung angeboten. Vergleichbar mit dem Lichtschutzfaktor eines Sonnenschutzmittels, gibt der UPF an, wie viel länger der Träger sich in der Sonne aufhalten kann. Dabei gibt es verschiedene Standards, die den UPF durch unterschiedliche Messgrundlagen testen. Der bekannteste ist der UV Standard 801.

UV-Schutzmaßnahme UPP/LSF
UV-Schutzkleidung 20-80
Dichte Baumwollkleidung 20
Sonnenschutzcreme 0-30
Leichte Baumwollkleidung 10
Schatten unter Baum 5-15
Schatten unter Sonnenschirm 5

Funktionsweise des UV-Schutzes

Wie funktioniert das mit dem UV-Schutz überhaupt?

Das Tragen geeigneter Kleidung und Kopfbedeckungen ist grundsätzlich der beste und einfachste Schutz, den man erreichen kann. Dank des natürlichen UV-Schutzes von Fasern wie Baumwolle, Nylon und Polyester wird ein Teil der UV-Strahlung absorbiert. Es gilt: Je dichter das Gewebe des Stoffes ist, desto wirksamer werden die UV-Strahlen abgeblockt.

Durch Nässe wird bei herkömmlicher Kleidung der LSF beeinträchtigt. Um das zu vermeiden, sollte der Stoff, aus dem die UV-Schutzkleidung besteht, möglichst unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit sein, indem er zum einen schnell trocknet oder wasserabweisend ist.

Sonnenschutzmittel zur äußerlichen Anwendung enthalten physikalische und/oder chemische UV-Filter. Die UV-Strahlung wird durch diese absorbiert und als energieärmere langwellige Wärmestrahlung wieder abgegeben. Sonnenschutzmittel mit ausschließlich chemischen UV-Filtern sollten vor der Sonnenexposition in die Haut einziehen, weshalb ein UV-Schutz erst ca. 30 Minuten nach dem Auftragen gewährleistet ist. Die physikalischen Filter bestehen aus mikroskopisch kleinen Partikeln, wie z. B. weißem Titan oder Zinkoxid. Diese Partikel streuen und reflektieren das UV-Licht, wodurch ein sofortiger UV-Schutz eintritt.

Der Lichtschutzfaktor LSF bezieht sich im Wesentlichen auf den Schutz vor UVB-Strahlen und soll angeben, wie viel länger man sich theoretisch der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, der ohne Anwendung eines Lichtschutzmittels eben verfrüht eintreten könnte.

Beispiel: Die Eigenschutzzeit der Haut einer Person beträgt etwa zehn Minuten. Cremt sich diese Person nun mit einer Creme mit LSF 20 ein, könnte sie theoretisch 200 Minuten (zehn Minuten x 20) in der Sonne bleiben, ohne sich zu verbrennen.

Wichtig zu beachten ist, dass auch trotz Anwendung von Sonnenschutzmitteln ein Teil der UV-Strahlung mit der Zeit in die Haut eindringen und dort Schäden verursachen kann, weshalb Lichtschutzmittel nicht dazu eingesetzt werden sollten, den Aufenthalt in der Sonne ungehemmt auszudehnen. Es wird sicherheitshalber empfohlen, die aus dem LSF errechnete Schutzdauer zu höchstens 60% auszunutzen.

Der richtige Lichtschutzfaktor

Bestimmt hat sich jeder schon mal die Frage gestellt, welcher Lichtschutzfaktor nun der richtige für einen selbst ist. Wie findet man diesen heraus?

Um den richtigen Lichtschutzfaktor für sich selbst herauszufinden, muss man zunächst seinen Hauttyp bestimmen, um anhand dessen die entsprechende Eigenschutzzeit der Haut einzuschätzen.

Hauttyp Haut | Haare | Augen Direkte Reaktion auf Sonne Eigenschutzzeit der Haut
I sehr hell | rot, rotblond | blau, grau Keine Bräunung, sehr hohe Sonnenbrandgefahr < 10 Min.
II hell | blond, braun | blau, grün, grau, braun Kaum Bräunung, hohe Sonnenbrandgefahr 10-20 Min.
III hell, hellbraun | dunkelblond, braun | grau, braun Zunehmende Bräunung, mäßige Sonnenbrandgefahr 20-30 Min.
IV hellbraun, oliv | dunkelbraun | braun Schnelle und tiefe Bräunung, niedrige Sonnenbrandgefahr > 30 Min.
V dunkelbraun | dunkelbraun, schwarz | dunkelbraun Keine Bräunung, sehr niedrige Sonnenbrandgefahr > 60 Min.
VI dunkelbraun, schwarz | schwarz | dunkelbraun Keine Bräunung, extrem niedrige Sonnenbrandgefahr > 90 Min.

UV-Schutz in der Gesellschaft

Herr Dr. Petri, denken Sie, ausgehend von Ihrer beruflichen Erfahrung, dass die Menschen ihre Haut genügend vor der Sonne schützen?

Eher nein. Auch wenn das Bewusstsein der Bevölkerung über die Bedeutung des UV-Schutzes in den letzten Jahren stark zugenommen hat, wurde der Schutz früher doch sehr vernachlässigt.

Kopfbedeckungen als Sonnenschutz

In unserem Sortiment an Kopfbedeckungen mit UV-Schutz findet sich auch eine Reihe von Hüten mit besonders breiter Krempe. Meinen Sie, dass eine solche das Gesicht ebenfalls ausreichend vor der Sonneneinstrahlung schützt?

Eine breite Krempe ist unbedingt zu begrüßen, da ein textiler Lichtschutz von besonderer Bedeutung ist. Auch eine breite Krempe schützt allerdings nicht vor der seitlichen UV-Einstrahlung, sodass hier unbedingt ein zusätzlicher Einsatz von geeigneten Lichtschutzmitteln erfolgen sollte.

Lieblingskopfbedeckung

Haben Sie eine Lieblingskopfbedeckung mit UV-Schutz und wozu tragen Sie diese?

Ja. Ich trage beim Outdoorsport nach Möglichkeit immer eine Sportkappe mit möglichst großem Schirm und hoher Materialdichte.

Mann mit Flatcap auf Spazierweg